Die Weichen für das kommende Jahr sind gestellt und der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) fordert nichts weniger als eine Revolution für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Landes. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian lässt keinen Zweifel daran, dass 2026 zum Jahr der Arbeitnehmer werden muss. Mit einer Vielzahl an geplanten Maßnahmen und Forderungen, die sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die finanzielle Situation der Arbeitnehmer verbessern sollen, steht der ÖGB bereit, um entscheidende Veränderungen zu forcieren.

Steuerliche Neuregelungen und Hitzeschutz: Was 2026 bringen soll

Bereits mit Jahresbeginn treten einige Verbesserungen in Kraft. Dazu gehört die steuerliche Neuregelung der Sonn- und Feiertagsarbeit, die den Arbeitnehmern finanzielle Erleichterungen bringen soll. Zudem wird die Möglichkeit der Teilpension erweitert und der Hitzeschutz am Arbeitsplatz wird verpflichtend – ein wichtiger Schritt, um die Gesundheit der Beschäftigten zu sichern.

Doch was bedeuten diese Maßnahmen im Detail? Die steuerliche Neuregelung zielt darauf ab, die zusätzliche Belastung durch Arbeit an Sonn- und Feiertagen finanziell auszugleichen. Dies ist besonders relevant für Branchen wie den Einzelhandel und die Gastronomie, in denen Wochenendarbeit häufig vorkommt.

Industriestrategie und Frauenförderung im Fokus

Ein weiteres zentrales Thema ist die Industriestrategie, die den Standort Österreich stärken und Beschäftigung sichern soll. Katzian zeigt sich optimistisch, dass die Verhandlungen bald abgeschlossen werden können. Besonders Frauen und Familien sollen von den geplanten Maßnahmen profitieren. Die Gewerkschaften setzen sich für höhere Löhne in typischen Frauenberufen und eine gerechtere Aufteilung der Care-Arbeit ein. Dies ist essenziell, da der aktuelle Familienreport einen Rückgang der Geburtenrate aufzeigt, was auch auf mangelnde Betreuungsmöglichkeiten zurückgeführt wird.

Flächendeckende Kinderbetreuung als Schlüssel

„Ohne flächendeckende Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag jedes Kindes wird es nicht funktionieren“, betont Katzian. Diese Aussage unterstreicht die Wichtigkeit von Betreuungsangeboten, um Frauen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Der Kampf gegen die Teuerung: Ein Muss für 2026

Eines der drängendsten Probleme bleibt die Inflation, die das Leben vieler Familien immer teurer macht. Die Mietpreisbremse soll hier Abhilfe schaffen, doch Katzian fordert weitergehende Maßnahmen. Insbesondere der Lebensmittelbereich, in dem die Teuerung besonders stark ausfällt, steht im Fokus.

Der ÖGB fordert ein generelles Verbot von Lieferbeschränkungen, um ungerechtfertigte Preisaufschläge zu verhindern. Eine Anti-Teuerungskommission soll mit klaren Eingriffsbefugnissen ausgestattet werden, um die Preisdynamik zu überwachen und gegebenenfalls Sanktionen zu verhängen.

Preisdatenbank als Kontrollinstrument

Eine Preisdatenbank, die es ermöglicht, die Preisentwicklung entlang der Wertschöpfungskette zu beobachten, soll endlich eingesetzt werden. Diese Maßnahme könnte Transparenz schaffen und helfen, unfaire Preisgestaltungen frühzeitig zu identifizieren.

Arbeitsmarkt: Zwischenparken und Bonus-Malus-System

Der Arbeitsmarkt steht ebenfalls vor großen Herausforderungen. Trotz einer leichten wirtschaftlichen Erholung bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Der ÖGB fordert daher eine aktive Arbeitsmarktpolitik, um dem entgegenzuwirken. Besonders kritisch sieht Katzian das Phänomen des „Zwischenparkens“, bei dem Unternehmen Beschäftigte über den Winter mit Wiedereinstellzusagen in die Arbeitslosigkeit schicken.

Rund 65.000 Menschen sind jährlich betroffen, was erhebliche Kosten für das AMS verursacht. Katzian schlägt vor, Unternehmen, die dieses System nutzen, höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen zu lassen.

Qualifikation und Beschäftigung älterer Arbeitnehmer

Ein weiteres Anliegen ist das Beschäftigungspotential älterer Arbeitnehmer. Katzian fordert ein Bonus-Malus-System, das Anreize für die Beschäftigung älterer Menschen schafft. Dies könnte sowohl den Betroffenen als auch dem Pensionssystem zugutekommen.

Fazit: Breite Schultern müssen mehr tragen

Angesichts der Budgetnot ist den Gewerkschaften bewusst, dass nicht alle Maßnahmen sofort umgesetzt werden können. Dennoch fordert Katzian, dass „breite Schultern mehr tragen müssen“. Das bedeutet, dass wohlhabendere Teile der Gesellschaft stärker zur Finanzierung der notwendigen Maßnahmen herangezogen werden sollen.

„2026 muss das Jahr der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden“, schließt Katzian. Die Forderungen des ÖGB sind klar formuliert und die Gewerkschaften stehen bereit, um auch im neuen Jahr ihre Expertise einzubringen.

Wie sich diese Pläne konkret umsetzen lassen und welche weiteren Schritte nötig sind, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass der ÖGB entschlossen ist, 2026 zu einem Jahr der Veränderung zu machen.