Wien (OTS) – Das Amt für Betrugsbekämpfung (ABB) hat der Republik
Österreich im
Jahr 2025 mehr als 154 Millionen Euro eingebracht – das ist ein Plus
von über 47 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. 411
Scheinunternehmen konnte das Handwerk gelegt werden und 7.288
Finanzstrafverfahren wurden abgeschlossen. Insgesamt hat das ABB mehr
als 51.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 25.981 Betrieben
kontrolliert, 128 Hausdurchsuchungen durchgeführt und 92,5 Terabyte
Beweisdaten sichergestellt.

„Betrugsbekämpfung ist ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt des
Finanzministeriums. Nicht nur wegen des Beitrags zur
Budgetkonsolidierung, sondern vielmehr als Beitrag zur Gerechtigkeit.
Gleichzeitig hat jeder Erfolg gegen unlautere und gesetzeswidrige
Praktiken auch präventive Wirkung und verbessert die Steuermoral.
Nach dem äußerst erfolgreichen Jahr 2025, werden mit dem
letztjährigen Betrugsbekämpfungsgesetz auch in den kommenden Jahren
starke Akzente und ein noch stärkerer Fokus auf die Bekämpfung von
Steuerbetrug und die Unterbindung unerwünschter Steuervermeidung
gesetzt. Alle, die glauben, dass es mit Abkürzungen oder
Schleichwegen leichter und besser geht, werden erkennen müssen, dass
dem nicht so ist. Wir stehen klar auf der Seite der ehrlichen und
redlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in diesem Land und
lassen keine Toleranz für Betrug walten“, betont Finanzminister
Markus Marterbauer.

„Unfaire Geschäftspraktiken schädigen nicht nur unseren Staat,
sondern benachteiligen auch all jene Unternehmen, die sich an die
Regeln halten. Bei der Bekämpfung von Betrugsfällen geht es somit
auch um Fairness gegenüber allen redlichen Unternehmerinnen und
Unternehmern, die durch das korrekte Abführen von Steuern und Abgaben
keinen Wettbewerbsnachteil haben dürfen. Das Amt für
Betrugsbekämpfung hat 2025 einmal mehr gezeigt, wie zielgerichtet und
effizient gegen Steuer- und Sozialbetrug vorgegangen wird“, resümiert
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl.

„2025 war für das Amt für Betrugsbekämpfung ein Jahr intensiver
Arbeit, großer Veränderungen und klarer Weichenstellungen für die
Zukunft. Ein besonderer Fokus lag auf der weiteren Stärkung der
Datenanalyse und der effektiven Nutzung vorhandener Informationen.
Der verantwortungsvolle Einsatz moderner Analysemethoden gewinnt in
der Betrugsbekämpfung zunehmend an Bedeutung und wird auch künftig
eine Schlüsselrolle spielen. Die konsequente Bekämpfung von
Steuerbetrug, Abgabenhinterziehung, Sozialbetrug sowie Lohn- und
Sozialdumping ist und bleibt ein zentraler Pfeiler eines
funktionierenden Rechts- und Sozialstaates. Das Amt für
Betrugsbekämpfung leistet hierzu einen unverzichtbaren Beitrag“, sagt
ABB-Vorstand Christian Ackerler.

Das ABB bündelt als operativ tätige Behörde im Bundesministerium
für Finanzen die Betrugsbekämpfungseinheiten des Finanzressorts. Die
Kernaufgaben sind die Bekämpfung von nationaler und internationaler
Steuerkriminalität, Aufdeckung von Sozialversicherungsbetrug und, als
Finanzstrafbehörde, die unmittelbare Sanktionierung von
Steuerstraftaten.

Beispiele verschiedener Betrugsfälle im Jahr 2025:

Internationaler Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln – Verdacht
auf systematische Abgabenverkürzung in Millionenhöhe

Das Amt für Betrugsbekämpfung ermittelt finanzstrafrechtlich
gegen einen Unternehmer, der seit den 1990er-Jahren unter einer
bekannten Marke Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittel international
vertreibt, vor allem nach Deutschland, teils auch nach Österreich und
in weitere EU-Staaten. Aus einem deutschen Verfahren ergab sich der
Verdacht, dass Umsätze und Gewinne über Jahre weder ertrag- noch
umsatzsteuerlich korrekt erklärt wurden. Nach bisherigem Stand soll
der Vertrieb großteils außerhalb des regulären Abgabensystems
gelaufen sein, wobei zur Verschleierung der Zahlungsströme ein
komplexes internationales Firmengeflecht mit Gesellschaften u. a. in
Österreich, Deutschland, Irland, Großbritannien und den USA
eingesetzt wurde und über 40 dem Beschuldigten zuordenbare
Unternehmen identifiziert werden konnten. Die vorläufige
Schadenssumme beträgt rund 3,6 Mio. Euro (Einkommen-, Umsatz- und
Körperschaftsteuer). In Österreich gab es u. a. Hausdurchsuchungen,
Kontoöffnungen, Zeugenvernehmungen und eine umfassende
Betriebsprüfung. Der Beschuldigte ist geständig und hat die
Begleichung der offenen Abgaben angekündigt, das Strafverfahren ist
noch anhängig.

Verdacht auf organisierte Schwarzarbeit und schweren Betrug mit
Arbeitskräfteüberlassung

Das Amt für Betrugsbekämpfung (Finanzpolizei) hat einen schweren
Fall mutmaßlich organisierter Schwarzarbeit und schweren Betrugs
aufgedeckt: Ein österreichisches Unternehmen soll Arbeitskräfte aus
dem Ausland illegal beschäftigt und Sozialversicherungsbeiträge
hinterzogen haben. Die Schadenssumme wird noch ermittelt, dürfte aber
im siebenstelligen Bereich liegen. Unter Leitung der Wirtschafts- und
Korruptionsstaatsanwaltschaft gab es in drei Bundesländern fünf
gerichtlich bewilligte Hausdurchsuchungen und zwei
Sozialbetrugskontrollen, wobei u. a. rund 660.000 Euro Bargeld sowie
Luxusuhren/Schmuck (ca. 200.000 Euro) und Gold (ca. 230.000 Euro)
sichergestellt wurden. Außerdem wurden zahlreiche Mobiltelefone,
Computer und Datenträger mit rund 3 TB Daten beschlagnahmt.

Die Arbeitskräfte sollen formal bei sieben Firmen in Deutschland
und Bulgarien angestellt und dort sozialversichert gewesen sein,
tatsächlich aber dem österreichischen Unternehmen überlassen worden
sein. In über 30 Fällen dürften Bestätigungen gefälscht gewesen sein,
teils handelte es sich um Schein- bzw. Betrugsfirmen. Parallel wurden
in Wien weitere Maßnahmen gesetzt und rund 80 Übertretungen nach dem
Ausländerbeschäftigungsgesetz bzw. im Bereich Lohn- und Sozialdumping
festgestellt. Zusätzliche Tatbestände (u. a. illegale
Arbeitskräfteüberlassung, Scheinrechnungen, Abgabenbetrug/-
hinterziehung und illegale Gewerbeausübung) werden noch geprüft.

Abschluss der Ermittlungen wegen des Verdachts auf systematischen
Lohnbetrug und Abgabenhinterziehung bei
Personalbereitstellungsunternehmen

Aus einer routinemäßigen ÖGK-Prüfung bei einem österreichischen
Personalbereitstellungsunternehmen ergaben sich schwerwiegende
Verdachtsmomente, die nach einer Meldung an die Steuerfahndung zu
umfassenden Ermittlungen führten: Demnach sollen 2020 bis 2021
systematisch Nettolohnvereinbarungen mit überwiegend ausländischen
Arbeitskräften getroffen worden sein, die vorab Blanko-Kassabelege
unterschreiben mussten. In der Lohnabrechnung wurden ihnen
anschließend angebliche Vorschüsse („Akontozahlungen“) zu Unrecht
abgezogen, was auch durch zwei arbeitsgerichtliche Urteile gestützt
wird. Die Untersuchungen deuten auf ein betrügerisches System der
Geschäftsführung hin, mit dem Umsatz- und Ertragsteuern verkürzt
wurden: offiziell wurden kollektivvertragliche Bruttolöhne gemeldet,
tatsächlich aber niedrigere Nettolöhne ausbezahlt, wobei die
Differenz mutmaßlich über fingierte Barabflüsse und die Blankobelege
abgeschöpft und teilweise in den persönlichen Verfügungsbereich der
Unternehmensleitung geleitet wurde; zudem erhielten Beschäftigte
keine Lohnzettel, was Kontrollen erschwerte. Die vorläufige
Steuerschädigung beträgt rund 2,2 Mio. Euro.

Erfolgreicher Zugriff auf illegale Glücksspielgeräte in Wels

Die Finanzpolizei im Amt für Betrugsbekämpfung hat nach einer
Anzeige in Wels einen besonders dreisten Fall illegalen Glücksspiels
aufgedeckt: Der Betreiber einer Tankstelle soll im Hinterhof in einem
versperrten Wellblechverschlag zwei Glücksspielautomaten betrieben
und damit zusätzliche Einnahmen erzielt haben. Bei einer Kontrolle
bestätigte sich der Verdacht rasch, zumal vor den Geräten sogar
typische Barhocker für Spieler standen. Beide Automaten wurden
beschlagnahmt und der Betreiber angezeigt. Die Strafverfolgung
erfolgt nach dem Glücksspielgesetz, es drohen Geldstrafen von bis zu
20.000 Euro.

Spektakulärer Fall von Beitragstäterschaft in 24 Fällen mit hohen
finanziellen Auswirkungen in ganz Österreich

Ein in Ostösterreich ansässiger Softwarevertreiber verkaufte drei
Kassensoftwareprogramme an Restaurants in ganz Österreich und warb u.
a. mit selbst verfassten Produktbeschreibungen auf Deutsch sowie in
mehreren asiatischen Sprachen. Im Zuge einer gerichtlich bewilligten
Hausdurchsuchung in Wien stellte die Steuerfahndung umfangreiches
Kunden- und Backup-Material sicher, dessen IT-Auswertung durch
Spezialisten die Identifikation der Kunden und die Verifizierung von
Abgabenverkürzungen ermöglichte. Bei zwei Programmen konnte
nachgewiesen werden, dass Umsätze nachträglich gelöscht und durch
eine Reorganisation fortlaufender Nummern selbst bei Prüfungen
unauffällig gemacht werden konnten. Beim dritten Programm wurden
Umsätze über die „Trinkgeld“-Funktion verschleiert, indem nur 10 % in
die Verkaufstabelle übernommen wurden. In der Folge unterstützte die
Steuerfahndung Prüfungen in 24 Großfällen, erstellte in
Zusammenarbeit mit IT-Experten, Finanzstrafbehörde und Juristen einen
Abschlussbericht für die WKStA, forderte rund 12,6 Mio. Euro nach und
erreichte Verurteilungen: Die meisten unmittelbaren Täter sind
rechtskräftig verurteilt, der Softwarevertreiber wurde Ende März 2025
am Landesgericht Wien rechtskräftig zu 2 Mio. Euro Geldstrafe und
zwei Jahren bedingter Freiheitsstrafe verurteilt – ein Ergebnis der
engen Kooperation von Finanzverwaltung, WKStA und
Staatsanwaltschaften.

Durchsuchungen wegen Abgabenhinterziehung im Taxigewerbe

Das Amt für Betrugsbekämpfung (Steuerfahndung und Strafsachen)
führte im September 2025 in den frühen Morgenstunden eine groß
angelegte Durchsuchungsaktion an sieben Orten in Wien und dem Wiener
Umland durch, die sich gegen eine Unternehmerfamilie mit mehreren
Taxiunternehmen richtete. Mehrere Branchenmitglieder stehen im
Verdacht, über Jahre systematisch Umsätze verschleiert und dadurch
Steuern und Abgaben in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Der
mutmaßliche Schaden liegt im siebenstelligen Bereich. Bei den
Durchsuchungen wurden umfangreiche Beweismittel und Vermögenswerte
sichergestellt, darunter Geschäftsunterlagen, Datenträger und
Smartphones sowie hochpreisige Fahrzeuge, Bargeld und teure Uhren,
auch zur Sicherung möglicher Strafzahlungen. Das Zollamt Österreich
unterstützte den Einsatz maßgeblich, unter anderem mit einem auf
Bargeld spezialisierten Spürhund. Dabei wurden 60.000 Euro Bargeld
sichergestellt.

Der Jahresbericht des ABB ist unter dem Link
www.bmf.gv.at/jahresbericht abrufbar.