Wien (OTS) – Die Arbeitsmarktdaten des AMS für Jänner 2026 zeigen
eine weitere
negative Entwicklung: Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt den
34. Monat in Folge – doch die Last dieser Krise wird höchst ungleich
verteilt. Während die Arbeitslosigkeit bei Männern im Vergleich zum
Jänner des Vorjahres nur moderat um 1,9 Prozent steigt, beträgt der
Anstieg bei Frauen 7,0 Prozent. Besonders betroffen sind auch ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 50 Jahre mit einem Anstieg von
4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Gleichzeitig verfestigt
sich die langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen mit einem Zuwachs
von 14,1 Prozent im Jahresvergleich weiter.

„Diese Zahlen zeigen deutlich: Wir haben ein akutes Thema der
Ausgrenzung am Arbeitsmarkt”, erklärt Sabine Rehbichler,
Geschäftsführerin von arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich.
„Während die Wirtschaft erste zaghafte Erholungszeichen zeigt, haben
bestimmte Gruppen keinen Chance auf einen Job. 456.192 arbeitslose
oder in Schulung befindliche Menschen bedeuten nicht nur Sofortkosten
von vielen Millionen Euro für bspw. Arbeitslosengeld, sondern auch
volkswirtschaftlich weit höhere Kosten, wenn sich die
Arbeitslosigkeit verfestigt. Dabei sind noch nicht einmal die
individuellen menschlichen Schicksale und die soziale Ausgrenzung die
arbeitslose Menschen erfahren, noch gar nicht berücksichtigt.
Kontraproduktives Sparen bei aktiver Arbeitsmarkpolitik wird uns
später ein Vielfaches kosten.”

„Österreich steht vor einer mehrfachen Herausforderung”, ergänzt
Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus. „Bis 2040
ist, trotz der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters, mit
einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung zu rechnen. Viele
Unternehmen, unter anderem in der Gastronomie, in der Pflege und im
Handwerk, klagen bereits seit längerem über einen
Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig steigt die Zahl der
langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen. Es braucht gezielte
strukturelle Maßnahmen verbunden mit dem Ausbau aktiver
Arbeitsmarktpolitik. Soziale Unternehmen machen genau das:
Integration statt Verwaltung.”

Zwtl.: Frauen tragen Hauptlast der Krise

Die Geschlechterungleichheit am Arbeitsmarkt nimmt weiter zu

– 147.437 Frauen sind arbeitslos – ein Anstieg um 9.595 Personen (+
7,0 Prozent gegenüber Jänner 2025)

– 232.334 Männer sind arbeitslos – ein Anstieg um 4.430 Personen (+
1,9 Prozent gegenüber Jänner 2025)

– Die Arbeitslosigkeit bei Frauen steigt damit fast viermal so stark
wie bei Männern

„Die Wirtschaftskrise bekommt zunehmend ein weibliches Gesicht”,
betont Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus,
„Frauen arbeiten überproportional in Branchen, die in Krisenzeiten
als erste unter Druck geraten: Handel, Gesundheits- und Sozialwesen,
Dienstleistungen. Gleichzeitig sind es nach wie vor mehrheitlich
Frauen, die bei familiären Betreuungspflichten zurückstecken und
deren Erwerbsbiografien dadurch brüchiger werden. Diese strukturelle
Benachteiligung zeigt sich in den Arbeitslosenzahlen in aller
Deutlichkeit.”

Zwtl.: Ältere Arbeitnehmer:innen besonders betroffen

Besonders alarmierend ist auch die Entwicklung bei älteren
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern:

– 116.749 Personen ab 50 Jahre sind arbeitslos: +5.431 Personen (+4,9
Prozent gegenüber Jänner 2025)

– Bei den ab 60-Jährigen beträgt der Anstieg sogar 12,3 Prozent im
Jahresvergleich

– Zum Vergleich: Bei Jugendlichen unter 25 Jahren liegt der Anstieg
bei nur 1,6 Prozent

„Ältere Arbeitnehmer:innen haben es in Krisenzeiten besonders
schwer”, analysiert Sabine Rehbichler . „Wir erleben hier eine
strukturelle Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt. Unternehmen
scheuen das vermeintliche Risiko, ältere Arbeitskräfte einzustellen,
obwohl gerade diese Gruppe Erfahrung, Loyalität und Stabilität
mitbringt. Im demografischen Wandel können wir uns diese
Verschwendung von Arbeitskraft schlicht nicht leisten – weder
wirtschaftlich noch sozialpolitisch.”

Die durchschnittliche Vormerkdauer beim AMS ist auf 184 Tage
gestiegen – 16 Tage länger als vor einem Jahr. Für ältere
Arbeitnehmer:innen liegt sie deutlich höher, nämlich bei 259 Tagen.
Und das bedeutet auch häufig schlechtere Chancen auf Wiedereinstieg:
Erwiesenermaßen verringern sich diese, je länger die Arbeitslosigkeit
dauert.

Zwtl.: Die neue Aktion 55+ ein wichtiger erster Schritt

„Die neue Bundesinitiative ‘Aktion 55+’ für bis zu 6.000 Jobs für
ältere Arbeitnehmer:innen ist ein wichtiges Signal”, begrüßt Vollmann
die Initiative. „Die Politik erkennt den Handlungsbedarf. Erfahrung,
Verlässlichkeit und Expertise älterer Beschäftigter sind
unverzichtbar – sowohl für Unternehmen als auch für die Gesellschaft.
Die Aktion 55+ zeigt: Wir beginnen, die Potenziale dieser Generation
zu nutzen. Jetzt braucht es die konsequente Umsetzung und weitere
flankierende Maßnahmen, damit diese Initiative nicht nur ein Tropfen
auf den heißen Stein bleibt, sondern tatsächlich Wirkung entfaltet.”

Zwtl.: Langzeitbeschäftigungslosigkeit steigt weiter – Verfestigung
nimmt zu

Die Entwicklung der Langzeitbeschäftigungslosigkeit gibt Anlass
zur Sorge.

– 101.536 Personen sind langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose – +
12.569 Personen (+14,1 Prozent im Jahresvergleich)

– Mehr als jeder vierte Arbeitslose (26,7 Prozent) ist bereits
langzeitbeschäftigungslos

„Die Langzeitarbeitslosigkeit wächst fast doppelt so schnell”,
warnt Vollmann. „Ebenso steigt die Dauer. Setzt sich diese Dynamik
fort, droht eine massive Ausweitung des verfestigten Sockels der
Langzeitbeschäftigungslosigkeit, mit allen sozialen und
wirtschaftlichen Folgekosten.”

Zwtl.: Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt konjunkturbedingt
zurückhaltend. Ende Jänner 2026 waren beim AMS 68.463 sofort
verfügbare offene Stellen gemeldet – um 10,5 Prozent weniger als im
Vorjahr. Diese Entwicklung erschwert die Wiedereingliederung
insbesondere für langzeitbeschäftigungslose Menschen zusätzlich.

„Die Verfestigung der Langzeitbeschäftigungslosigkeit hat
gravierende Folgen”, betont auch Rehbichler. „Sinkende
Vermittelbarkeit, gesundheitliche Belastungen, soziale Isolation und
steigende Armutsrisiken. Dazu kommen volkswirtschaftliche Mehrkosten
durch steigende Sozialleistungen und Gesundheitsausgaben einerseits,
und verlorene Wirtschaftskraft andererseits. Hier müssen wir dringend
gegensteuern, bevor sich diese Entwicklung weiter verschärft.”

Zwtl.: Was jetzt wirkt: Hebel für Veränderung

Manuela Vollmann und Sabine Rehbichler benennen wirksame Hebel
gegen Arbeitsmarktausgrenzung:

1. Offensive für Frauen am Arbeitsmarkt
„Wir brauchen ein grundlegendes Umdenken in der Arbeitsmarktpolitik
für Frauen”, f ordert Manuela Vollmann. „Frauen sind am
Erwerbsarbeitsmarkt strukturell benachteiligt. Der wesentliche Faktor
ist die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit.
Das führt zu Arbeitslosigkeit und Teilzeitarbeit, die von der
Arbeitsmarktpolitik nicht ausreichend aufgegriffen werden.”

2. Altersgerechte Arbeitsmarktpolitik ausbauen
„Die Aktion 55+ ist ein richtiger erster Schritt – jetzt müssen
weitere folgen”, betont Rehbichler. „Die Politik muss Anreize für
Unternehmen schaffen, ältere Menschen einzustellen – etwa durch
Lohnzuschüsse mit Begleitung für Betroffene und Unternehmen etwa
durch Soziale Unternehmen, Ausbildungsförderungen oder steuerliche
Begünstigungen. Gleichzeitig braucht es Kampagnen gegen
Altersdiskriminierung und den Ausbau von Beratungs- und
Vermittlungsangeboten speziell für die Generation 50+.”

3. Langzeitbeschäftigungslosigkeit verhindern – nicht verwalten
„Langzeitbeschäftigungslosigkeit darf nicht zum Dauerzustand werden”,
warnt Vollmann. „Wir brauchen eine Aufstockung der Mittel für
intensive Betreuung und Qualifizierung. Soziale Unternehmen wie
unsere Mitglieder bieten bewährte Modelle für arbeitsmarktferne
Menschen. Diese Strukturen müssen ausgebaut und langfristig
abgesichert werden, statt sie durch Budgetkürzungen zu gefährden.
Wenn wir den weiteren Anstieg von Langzeitbeschäftigungslosigkeit
verhindern wollen, müssen wir jetzt investieren – in Qualifizierung,
in intensive Betreuung, in Soziale Unternehmen!”

4. Planungssicherheit für Soziale Unternehmen
„Soziale Unternehmen sind kein ‘Good-Will-Projekt’, sondern
unverzichtbare Partner für Gesellschaft, Wirtschaft und Menschen”,
betont Rehbichler. „Wir übernehmen gesellschaftliche Verantwortung –
und Verantwortung rechnet sich. Aber wir brauchen endlich
Planungssicherheit und Anerkennung als systemrelevante Säule der
Arbeitsmarktpolitik.”

Zwtl.: Fazit: Jetzt handeln, bevor sich die Krise verfestigt

„Die Zahlen von Jänner 2026 sind ein Weckruf”, resümiert
Vollmann. „Wir müssen jetzt gegensteuern, bevor sich die Situation
weiter verfestigt. Die Verfestigung der
Langzeitbeschäftigungslosigkeit, die dramatische Situation bei Frauen
und Älteren – all das sind Entwicklungen, die wir nicht einfach
hinnehmen können. Wir brauchen jetzt eine Arbeitsmarktpolitik, die
nicht verwaltet, sondern gestaltet. Eine Politik, die Menschen
Perspektiven gibt, statt sie abzuschreiben.”

Rehbichler ergänzt: „Die Sozialen Unternehmen Österreichs stehen
bereit. Unsere Mitgliedsunternehmen beweisen täglich, dass
Integration in den Arbeitsmarkt möglich ist – auch für Menschen, die
als ‘schwer vermittelbar’ gelten. Aber wir brauchen die politische
Unterstützung und die finanziellen Ressourcen, um diese Arbeit im
notwendigen Umfang leisten zu können. Jetzt ist die Zeit zu handeln.”