Österreich (OTS) – Der aktuell veröffentlichte Bericht der Statistik
Austria zeigt:
Menschen mit Behinderungen sind am österreichischen Arbeitsmarkt
strukturell benachteiligt. Besonders alarmierend ist die Entwicklung
bei jungen Menschen.

Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren mit Behinderungen
zählen zur sogenannten NEET-Gruppe („Not in Employment, Education or
Training“). Mehr als jede vierte Person in dieser Gruppe ist weder in
Ausbildung noch in Erwerbstätigkeit . Die Zahlen im Vergleich: die
NEET-Quote stieg von 19,2 Prozent im Jahr 2022 auf 26,8 Prozent im
Jahr 2024. Bei jungen Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen
lag sie im selben Jahr bei nur 7,5 Prozent.

„Diese Entwicklung ist alarmierend”, betont Christina Schneyder,
Geschäftsführerin des Dachverbands für berufliche Inklusion Austria,
dabei-austria.

„Ausgerechnet jene Gruppe, deren langfristige Erwerbschancen von
einem gelungenen Einstieg abhängen, wird zunehmend vom Arbeitsmarkt
ausgeschlossen”, sagt Schneyder zu den Zahlen bei NEETs.

Zwtl.: Umsetzung von Regierungsvorhaben für Jugendliche mit
Behinderung gefährdet

Seit 1. Jänner 2024 gilt die Reform „Arbeitsfähigkeit bis 25″ (
AF25), die jungen Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Ausbildung
und Beschäftigung erleichtern soll. Die Zahlen der Statistik Austria
machen deutlich: das Vorhaben stockt, weil der Unterstützungsbedarf
größer ist als bislang abgedeckt.

Gleichzeitig wird der berufliche Einstieg schwieriger, „weil in
Bund und Ländern bei Inklusions-Maßnahmen gekürzt wird. Dazu kommt
erschwerend, dass Unternehmen aufgrund der konjunkturellen
Entwicklung vorsichtiger agieren und weniger einstellen und
ausbilden“, erläutert Schneyder.

Zwtl.: 2025: Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung steigt
und steigt

Aktuelle Arbeitsmarktdaten zeigen, dass sich bestehende
Ungleichheiten auch bei Erwachsenen weiter verschärfen. Im Dezember
2025 lag die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderungen um 11,8
Prozent höher als im Vorjahr – ein Anstieg, der rund viermal so stark
ausfiel wie jener der Arbeitslosigkeit insgesamt.

„Menschen mit Behinderungen sind von konjunkturellen Abschwüngen
früher und deutlich stärker betroffen“, sagt Christina Schneyder.
„Die aktuellen Daten zeigen deutlich auf, dass bei Maßnahmen für
berufliche Inklusion, wie dem Netzwerk berufliche Assistenz (NEBA),
unter gar keinen Umständen eingespart werden darf.“

Zwtl.: Netzwerk Berufliche Assistenz bietet österreichweit das
geeignete Maßnahmenprogramm

Mit den NEBA-Angeboten Jugendcoaching, AusbildungsFit und
Berufsausbildungsassistenz wurden im Auftrag des Sozial- und
Arbeitsministeriums in den letzten 10 Jahren die geeigneten
Unterstützungsleistungen speziell für benachteiligte Jugendliche
aufgebaut. Sie geben berufliche Perspektiven und begleiten bei der
Vorbereitung auf den geeigneten Job für einen Einstieg ins
Arbeitsleben. Rund 90 Tausend junge Menschen haben im Jahr 2024 davon
profitiert.

Zwtl.: Forderung: NEBA-Maßnahmen brauchen eine gesicherte
Finanzierung

„Der mit 2026 eingeleitete Sparkurs bei den NEBA-Angeboten trifft
eine Bevölkerungsgruppe, die strukturell benachteiligt ist und
jedenfalls gezielte Unterstützungsangebote benötigt“, unterstreicht
Eva Skergeth-Lopič, als Vorstandsvorsitzende im dabei-austria.

„In diesem Jahr finanziert das Sozialministeriumsservice vom
Bodensee bis zum Neusiedlersee weniger Inklusions-Fachkräfte, damit
ist bei steigendem Bedarf weniger Angebot verfügbar“.

Maßnahmen zur beruflichen Inklusion sind eine nachhaltig wirksame
Investition in Chancengerechtigkeit für alle. Sie eröffnen jungen
Menschen mit Benachteiligung den Einstieg ins Berufsleben und
erschließen den Unternehmen bislang ungenutzte Potenziale für
verlässliche Arbeitskräfte. So tragen sie zur Fachkräftesicherung für
die Wirtschaft bei und reduzieren langfristig höhere Sozialausgaben.

Skergeth-Lopič fordert daher: „Wer hier spart, spart am falschen
Ende: Die Politik ist dringend gefordert, den Ausgleichstaxfonds als
zentrales Finanzierungsinstrument beruflicher Inklusion nachhaltig
abzusichern!“

Über dabei-austria: Der Dachverband Berufliche Inklusion –
Austria vertritt 98 Mitgliedsorganisationen, die im Netzwerk
berufliche Assistenz (NEBA) österreichweit 220 Projekte zur
beruflichen Inklusion umsetzen. NEBA ist ein Programm im Auftrag des
Sozialministeriumservice.

Mit den Angeboten Jugendcoaching, AusbildungsFit,
Berufsausbildungsassistenz, Arbeitsassistenz und Jobcoaching werden
pro Jahr mehr als 110.000 Teilnehmer:innen erreicht. Das
Betriebsservice berät Unternehmen dabei, Arbeitsplätze für Menschen
mit Behinderung zu gestalten.