Wien (OTS) – Der Österreich-Pavillon bei der 20. Architekturbiennale
in Venedig im
Jahr 2027 wird von dem interdisziplinären, bosnisch-österreichischen
Kurator:innenteam Adna Babahmetović, Ajna Babahmetović und Sebastian
Höglinger gestaltet. Das hat Vizekanzler und Kulturminister Andreas
Babler am 27. Jänner 2026 im Zuge einer Pressekonferenz bekannt
gegeben. Die 20. Architekturbiennale findet vom 8. Mai bis zum 21.
November 2027 statt.
„In der außenpolitischen Tradition Österreichs – als Land des
Dialogs, der Vermittlung und der Neutralität – wird der Hoffmann-
Pavillon zu einem diplomatischen Parkett. Der Österreich-Beitrag der
Architekturbiennale 2027 wird von einem interdisziplinären, bosnisch-
österreichischen Team gestaltet. ‚Koncesija‘ sammelt, archiviert und
diskutiert die alltäglichen Realitäten des Bauens und Planens in
Bosnien und Herzegowina – und ihre Bedeutung für Österreich. Denn
unsere Länder sind vielfach miteinander verflochten: durch gemeinsame
Geschichte, durch Arbeitsmigration, durch Nachkriegserfahrungen,
durch wirtschaftliche Beziehungen und durch eine bosnische Diaspora,
die längst selbstverständlicher Teil der österreichischen
Gesellschaft ist. Diese Realität wird hier im internationalen
Architekturdiskurs verankert“, so Vizekanzler und Bundesminister für
Kunst und Kultur, Andreas Babler.
Projektbeschreibung
Das vorliegende Konzept für den Österreich-Beitrag 2027, mit dem
Titel „Koncesija / Konzession / Concession(e)“ schlägt vor, den
österreichischen Pavillon für ein Jahr in partnerschaftlicher
Konzession an Bosnien und Herzegowina zu vergeben – den einzigen
Staat des ehemaligen Jugoslawiens, der noch keinen eigenen
Repräsentationsort auf dem Gelände der Giardini della Biennale zur
Verfügung hat.
Diplomatie im Fokus: Die inszenierte Hotellobby des
geschichtsträchtigen Holiday Inn in Sarajewo wird zu einer „Lobby für
Lobbying“. Ein symbolischer Warteraum für die nachhaltige Etablierung
bosnischer Perspektiven im internationalen Architekturdiskurs. Der
Hoffmann’sche Pavillon selbst wird zur gebauten Bühne für ein
diplomatisches Rollenspiel der Interessen, wie es die Biennale als
„Weltausstellung der Architektur“ genau genommen schon immer ist.
In engem Austausch zwischen der österreichischen und bosnisch-
herzegowinischen Architekturszene sammelt, archiviert und diskutiert
„Koncesija / Konzession / Concession(e)“ die alltäglichen Realitäten
des Bauens und Planens in Bosnien und Herzegowina und ihre Bedeutung
für Österreich. Die „Konzession“ – als „Verhandlungsraum“ für
Austausch, Wissenstransfer und Netzwerk – verbindet zwei Staaten mit
vielfachen Verflechtungen: gemeinsame Geschichte, Arbeitsmigration,
Nachkriegserfahrungen, wirtschaftliche Beziehungen und eine Diaspora,
die längst Teil der österreichischen Gesellschaft ist.
Die „Konzession“ verankert diese Realität im internationalen
Architekturdiskurs und untersucht Bosnien und Herzegowina als
„ausgehandelten Raum“ post-Dayton sowie als diagnostisches Modell für
mögliche europäische Zukünfte.
Die Kurator:innen verstehen den Pavillon der Biennale als einen
Knotenpunkt von Interessen, der unterschiedliche Vorstellungen und
Interpretationen von Architektur kommentiert, moderiert und
aufbricht. Der österreichische Biennale-Pavillon solle dabei
aktuellen Tendenzen nachspüren, aber auch als Vordenker und
Impulsgeber agieren.
Folglich ist der Pavillon nicht als statische Ausstellung
gedacht, sondern dient dem offenen und partizipativen Research-
Prozess als „Verhandlungsraum“: einer Abfolge von „Summits“,
Filmprogrammen, öffentlichen Rahmenveranstaltungen und der
angestrebten Unterzeichnung des „Biennale Participation Request“ für
die Teilnahme Bosnien und Herzegowinas an der Architekturbiennale
Venedig 2029.
Jurybegründung
Die Jury lobte einhellig das stimmige Konzept von Adna Babahmetović,
Ajna Babahmetović und Sebastian Höglinger, das eine sowohl politisch
als auch architektonisch relevante Antwort auf ein zeitgemäßes Thema
gibt. Die Repräsentationen ausgewählter Länder in den Giardini werden
schon seit geraumer Zeit hinterfragt. Für „Koncesija“ 2027 gibt es
eine zweifache Antwort darauf. Zum einen wird Österreichs Tradition
als neutrale Vermittlerin unterschiedlicher politischer Interessen
als „diplomatisches Parkett“ in den Hoffmann-Pavillon buchstäblich
eingebaut. Zum anderen ermöglicht dieses Parkett, Bosnien und
Herzegowina zum ersten Mal einen Auftritt auf dem Gelände der
Biennale. Was könnte dazu besser dienen als eine berühmte Hotellobby?
Markante Elemente der Lobby des Holiday Inn in Sarajevo, das 1984
anlässlich der olympischen Winterspiele von Ivan Štraus entworfen
wurde, werden als fragmentarische 1:1-Replica in die Räume des
Hoffmann-Pavillons eingeschrieben. Vor allem das auffällige
geometrische Muster des Fliesenbodens sowie die verschiedenen
Baldachin-artigen Elemente, unter denen sich die Gäste des Hotels
aufhalten können, holen die Atmosphäre der Hotellobby zurück, in der
glamouröse Gäste ein- und ausgingen, aber auch der Krieg deutliche
Spuren hinterlassen hat.
Das internationale Publikum der Biennale wird folglich
eingeladen, sich in den Räumen der Lobby aufzuhalten: Als Gäste oder
Beteiligte werden sie Teil von verschiedenen diplomatischen
„Summits“, bilateralen Gesprächen, Vernetzungen und Veranstaltungen
zu Geschichte, Konflikten und Bestand der bosnischen Architektur und
Raumproduktion sowie über die geopolitischen Beziehungen von Bosnien
und Herzegowina mit Österreich, die zugleich als „Lobbying“ für einen
künftigen Pavillon für Bosnien und Herzegowina dienen sollen.
Zu diplomatischen Gepflogenheiten gehört ein weitverzweigtes
Netzwerk. Die Jury hat überzeugt, dass die drei Kurator:innen
vielfältige Beziehungen zu (Architektur)-Institutionen,
Architekt:innen und weiteren Personen in Bosnien und Herzegowina,
Österreich und Italien hergestellt haben und diese als bilateralen
Wissensaustausch ausbauen werden. Besonders interessant und ganz neu
wird ein eigenes Filmprogramm präsentiert, das zugleich in einen
direkten Austausch mit dem Sarajevo Film Festival sowie mit der
Viennale geht.
Die Jury ist vom Engagement und der Energie der drei
Kurator:innen überzeugt, ihr Konzept ist nicht nur selbstbewusst und
stimmig, es ist auch umsetzbar und die Finanzierung realistisch.
Zum Vergabeverfahren
Seit der Biennale 2021 wird der Österreich-Beitrag für Venedig im
Rahmen eines offenen Wettbewerbs gesucht. Der Bund lädt Kuratorinnen
und Kuratoren, Architekt:innen, Kunst- und Kulturschaffende ein, an
diesem Projektwettbewerb teilzunehmen. Die eingereichten Projekte
werden in einem dreistufigen Auswahlverfahren einer Fachjury aus
nationalen und internationalen Expert:innen vorgelegt. Die
Entscheidung über die Nominierung des Siegerprojekts wie auch der
Kuratierung erfolgt auf Empfehlung der Jury durch den zuständigen
Bundesminister für Kunst und Kultur.
Zusammensetzung der Jury
Angelika Schnell , Professorin für Architekturtheorie,
Architekturgeschichte und Entwurf an der Akademie der bildenden
Künste Wien, Mitglied des Redaktionsbeirats von ARCH+;
Baerbel Mueller , Architektin und Forscherin in Wien und Ghana,
Assoziierte Professorin am Institut für Architektur der Universität
für angewandte Kunst Wien;
Wilfried Kühn , Architekt und Professor für Raumgestaltung und
Entwerfen an der TU Wien;
Leiter des FWF-Forschungsprojekt ‚Curatorial‘ Design an der TU Graz;
Sabine Pollak , Architektin und Architekturtheoretikerin, Leiterin
der Abteilung Urbanistik an der Kunstuniversität Linz . Zusammen mit
Michael Obrist und Lorenzo Romito war sie Kuratorin für den
österreichischen Beitrag der Architekturbiennale 2025 in Venedig.
Nikolaus Gartner , planender und forschender Architekt, Univ.-Lektor
an der TU Wien, künstlerischer Leiter im Architekturraum Burgenland.
Das Kurator:innenteam
Adna Babahmetović (*1992, Zenica, BiH) absolvierte ihr
Architekturstudium an der TU Graz. Gemeinsam mit ihrer
Zwillingsschwester Ajna gründete sie das Architekturstudio Adna i
Ajna. Parallel lehrt sie am Forschungsbereich Wohnbau und Entwerfen
an der TU Wien und ist Mitglied des architektonischen
Forschungskollektivs Diskursiv. Während und nach ihrem Studium
sammelte sie berufliche Erfahrung in der architektonischen Praxis in
Österreich und Dänemark und arbeitete in Büros in Graz, Wien und
Aarhus. Sie ist Stipendiatin des START-Stipendiums des BMWKMS
2025/2026, im Rahmen dessen sie die Themen ihrer Masterarbeit
‚Wohnen, Erinnerung und Wohn-Erinnerungen‘ in Auseinandersetzung mit
ihrem aktuellen Forschungsschwerpunkt weiterentwickelt.
Ajna Babahmetović (*1992, Zenica, BiH). Gemeinsam mit ihrer
Zwillingsschwester Adna gründete sie das Architekturstudio Adna i
Ajna. Sie ist als Ziviltechnikerin befugt und wurde mit dem START-
Stipendium des BMWKMS 2024/2025 ausgezeichnet. Parallel zur
Studioarbeit ist sie Universitätsassistentin in Lehre und Forschung
am KOEN Institut der TU Graz und Mitglied des architektonischen
Forschungskollektivs Diskursiv. Sie studierte Architektur an der TU
Graz und verfolgt in ihrer laufenden Forschung die räumlichen
Manifestationen von Migration in Bosnien und Herzegowina. Auf dieser
Grundlage wurden ihre Arbeiten in Graz, Berlin und Sarajevo
präsentiert. Zudem verfügt sie über Berufserfahrung in verschiedenen
Architekturbüros und hat in zahlreichen internationalen Publikationen
veröffentlicht.
Sebastian Höglinger (*1983, Linz, AT) studierte Theater-, Film-
und Medienwissenschaft und verfügt über langjährige Erfahrungen in
der Organisation und Durchführung von Kulturveranstaltungen. Sein
Schwerpunkt liegt auf kuratorischen und publizistischen Tätigkeiten
sowie dramaturgischen Beratungen (Drehbuchentwicklung) im In- und
Ausland. Er ist Redaktionsmitglied der Filmzeitschrift kolik.film und
war in Jurys sowie in der Programmberatung für internationale
Filmfestivals wie Berlinale Forum, Viennale oder Duisburger Filmwoche
tätig. Von 2015 bis 2023 war er künstlerischer Co-Leiter/Co-
Geschäftsführer der Diagonale – Festival des österreichischen Films
in Graz. Zuvor verantwortete er das Internationale Jugend Medien
Festival YOUKI in Wels mit.