Wien (OTS) – Die Überlegungen auf EU-Ebene, die CO₂-Grenzabgabe CBAM
für
Düngemittel auszusetzen, ist aus Sicht der chemischen Industrie
hochriskant. Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (
FCIO) warnt unmissverständlich: Ein Wegfall von CBAM ohne Ausgleich
beim Emissionshandel (ETS) würde die europäische
Düngemittelproduktion massiv schwächen. Die dramatische Folge:
Abhängigkeit von Importen aus geopolitisch sensiblen Regionen wie
Russland oder Belarus. Genau das Gegenteil dessen, was Europa mit
seiner Industrie- und Resilienzpolitik erreichen will. „Wenn der CBAM
verschoben wird, ohne parallel dazu Düngemittel aus dem ETS
auszunehmen, hat Europa aus der Energiekrise der letzten Jahre nichts
gelernt und würde sich wieder erpressbar machen“ , warnt der FCIO-
Obmann Ulrich Wieltsch.
Zwtl.: „CBAM und ETS müssen gemeinsam gedacht werden“
Für den FCIO ist klar: Ein Verzicht auf CBAM ist nur dann
vertretbar, wenn konsequenterweise die Düngemittelproduktion aus dem
Emissionshandel-Regime ausgenommen wird. Andernfalls droht Carbon
Leakage in großem Stil. „Ohne wirksamen Ausgleich im ETS werden aus
temporären Produktionskürzungen rasch permanente Stilllegungen“ ,
erklärt Wieltsch. „Wer die europäische Düngemittelproduktion
schwächt, spielt mit der Ernährungssicherheit.“ Denn durch den
Einsatz von Düngemittel werden in der landwirtschaftlichen Produktion
Ertragssteigerungen von bis zu 50 % ermöglicht. Gerade die
Landwirtschaft, die insbesondere beim Mercosur vor Billig-Importen
aus Drittstaaten warnt, sollte hier als Partner der
Düngemittelproduzenten auftreten und an gemeinsamen Lösungen
arbeiten.
Düngemittel gehören zu den energie- und CO₂-intensivsten
Produkten der chemischen Industrie. Europäische Hersteller tragen
neben den hohen Energie- und Rohstoffpreisen zusätzlich hohe Kosten
aus dem EU-Emissionshandel, während Importe aus Drittstaaten ohne
vergleichbare Umwelt-, Klima- oder Sozialstandards auf den Markt
gelangen. CBAM war als Schutzinstrument gegen genau diese
Wettbewerbsverzerrung gedacht. Wird es aufgeweicht oder gestrichen,
verlieren europäische Produzenten ihre letzte Absicherung.
Mit dem schrittweisen Auslaufen kostenloser Zertifikate im ETS
verschärft sich der Druck zusätzlich. Wenn gleichzeitig der
Grenzschutz entfällt, geraten europäische Standorte doppelt unter
Druck. Investitionen bleiben aus, Produktionskapazitäten wandern in
Regionen mit niedrigeren Umweltauflagen ab. Der FCIO lehnt daher jede
Maßnahme entschieden ab, welche die Wettbewerbsfähigkeit eines
ohnehin stark belasteten Sektors weiter untergräbt.
Zwtl.: Über den FCIO
Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) in
der WKÖ ist die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen
Industrie in Österreich. Die etwa 230 Mitgliedsunternehmen
produzieren in unterschiedlichen Sektoren z.B. Pharmazeutika,
Kunststoffe und Kunststoffwaren, Fasern, Lacke, Düngemittel oder auch
organische und anorganische Chemikalien. Die mehr als 50.000
Beschäftigten der Branche stellten 2024 Waren im Wert von 19,3
Milliarden Euro her. www.fcio.at