Wien (OTS) – Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMontag“ am
26. Jänner
2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON blickt u. a. auf die (
kultur-)politische Situation des Iran und spricht dazu u. a. mit der
iranisch-stämmigen Journalistin und Publizistin Shila Behjat, die vor
kurzem für den PEN-Club in Berlin die Diskussionsveranstaltung unter
dem Titel „Iran – Jetzt Regime Change?“ organisiert hat. Weiters geht
es anlässlich der Schließungen von drei Kunstmessen in Österreich um
die Ursachen bzw. Folgen sowie die Entwicklungen am globalen
Kunstmarkt. Thema ist u. a. auch das Oscar-verdächtige Filmdrama
„Hamnet“ von Chloé Zhao, in dem Shakespeares Ehefrau sowie der
Verlust des gleichnamigen gemeinsamen Sohnes im Mittelpunkt stehen.
Anschließend an das Kulturmagazin zeigt ORF 2 die Dokumentation „Die
rätselhafte Welt des David Lynch“ (23.15 Uhr) anlässlich des 80.
Geburtstages und des ersten Todestages des Kinomagiers.

Kampf um die Zukunft – Der Iran zwischen Monarchie und Mullah-
Regime

Die drastische Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, starke
Schwankungen des Wechselkurses, instabile Märkte sowie der anhaltende
Wertverlust der nationalen Währung – all das waren Ende Dezember 2025
Auslöser für die größte Protestwelle im Iran seit der Tötung von Jina
Mahsa Amini im Jahr 2022, die wegen eines angeblichen Hidschab-
Verstoßes ihr Leben verlor. Unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“
verursachten die landesweiten wie internationalen Proteste die
größten Herausforderungen für das Regime seit 1979. Immer noch kämpft
die Bevölkerung um die Zukunft ihres Landes. Teherans brutale
Reaktionen: Internetsperre, Telefonabschaltungen, aggressive Rhetorik
und vor allem die blutigen Großangriffe auf die Demonstrantinnen und
Demonstranten. Über die Opferzahlen kursieren verschiedene Angaben –
von 3.000 bis 18.000 Toten reicht die Spannweite, die je nach Quelle
stark variiert. Einer der Gründe dafür: die Medien des Landes werden
weitgehend vom Regime kontrolliert und zensiert. Die aktuelle
Nachrichtenlage ist trotz der Aufhebung der Internetsperre spärlich,
weiß die französisch-iranische Künstlerin Chalisée Naamani, die in
der Wiener Kunsthalle ihre erste Einzelausstellung mit dem Titel
„Octogone“ außerhalb Frankreichs präsentiert. Zu ihren Großeltern und
Freunden hat die 31-Jährige zurzeit keine Verbindung. In ihrer
künstlerischen Arbeit setzt sie sich mit dem kulturellen Erbe und der
Geschichte ihrer Familie auseinander. Auch die iranische Sängerin
Emma, die mit bürgerlichem Namen Saba Robatjazy heißt, hat keinerlei
Verbindungen zu ihrer Familie. Sie musste ihre Heimat verlassen, weil
sie auf Social Media angefangen hatte, ihre Musik zu posten. Nur
knapp entging sie durch ihre Flucht der Haft. Während die Menschen im
Iran um ihre Freiheit ringen, reagiert der Westen zahm, auch wenn US-
Präsident Donald Trump ein militärisches Eingreifen der USA erwogen
hatte. Wie tickt die Islamische Republik? Warum geht der Westen nicht
härter gegen das Mullah-Regime vor? Und wie kann der Kampf um die
Freiheit weitergehen?

Der Anfang vom Ende? Katerstimmung am Kunstmarkt

Vergangene Woche ist der Kunstmarkt in Österreich durch die
Schließung dreier Kunstmessen deutlich erschüttert worden. Die „Art &
Antique“ kann in der Salzburger Residenz aus Denkmalschutzgründen
nicht mehr stattfinden, und das, obwohl die Traditionsmesse seit 50
Jahren während der Osterfestspiele für zusätzlichen Umsatz sorgte.
Nach dem Aus der renommierten „viennacontemporary“, die mit einem zu
hohen Schuldenstand zu kämpfen hat, ließ auch die „SPARK Art Fair
Vienna“ verlautbaren, dass sie im März nicht wie geplant stattfinden
werde und sich neu orientieren wolle. Laut aktuellen Analysen erlebt
der globale Kunstmarkt eine prekäre Phase mit geschrumpften Umsätzen,
angetrieben durch weltweite wirtschaftliche wie geopolitische
Unsicherheiten, durch Kriege oder etwa durch Trumps Zolldrohungen.
Die Jahresbilanz der Kunstmessen 2025 zeigt, dass Erfolg kein
Automatismus von Größe oder Tradition mehr ist, sondern das Resultat
politischer, steuerlicher und strategischer Vernunft. Kunstmessen
funktionieren dort, wo Marktgröße, Steuerpolitik, Timing, urbane
Kooperationen und geopolitische Ambition zusammen gedacht werden.
Während die renommierte „Art Basel“ in der Schweiz einen deutlichen
Umsatzrückgang feststellen musste, sucht die Marke „Art Basel“ im
arabischen Raum nach neuer Kundschaft und findet Anfang Februar
erstmals in Qatar in Doha statt. Europas Probleme sind nicht fehlende
künstlerische Relevanz, sondern mangelnde kulturpolitische
Koordination. Die Alpenrepublik ist im internationalen Vergleich ein
kleiner Markt mit einem strukturell überdimensionierten Messeangebot.
Allein im vergangenen Jahr fanden 13 Messen statt. Wo liegen die
Probleme begraben, durch welche Maßnahmen könnte der Kunstmarkt
hierzulande wieder in Schwung kommen? Der „kulturMontag“ hat sich in
der Szene umgehört.

Shakespeares Familienbande: Chloé Zhaos Golden-Globes-gekröntes
Drama „Hamnet“ auf Oscar-Kurs

William Shakespeare war nicht nur einer der bedeutendsten
Dramatiker der Geschichte – er war auch Familienvater. Im Film
„Hamnet“ nach dem Bestseller von Maggie O’Farrell zeigt Oscar-
Preisträgerin Chloé Zhao das Schicksal Williams und seiner Ehefrau,
die beide mit dem Verlust ihres Sohnes Hamnet zu kämpfen haben.
Dieser starb sehr jung, vermutlich an der Pest. Die Tragödie diente
zweifellos als Inspiration für Shakespeares Meisterwerk „Hamlet“, ist
die irisch-britische Schriftstellerin überzeugt. Und dennoch spielt
das Kind in Shakespeares Rezensionsgeschichte keine Rolle, laut der
deutschen Kultur- und Literaturwissenschafterin Elisabeth Bronfen,
die erst im vergangenen Jahr ein Buch über den britischen Dramatiker
veröffentlicht hat. Hauptfigur in Chloé Zhaos Film sind jedoch weder
der Schriftsteller noch sein Sohn, sondern Shakespeares Frau Anne
Hathaway, die auf der Leinwand Agnes heißt – eine rebellische
Außenseiterin, die der Dichter gegen den Willen seines Vaters
heiratet und die ihn in seinem Schreiben unterstützt. Der Verlust des
Kindes treibt jedoch einen Keil in die Ehe. Dem Historienepos, das
sich eng an Elisabeth Bronfens Buch hält, eilt ein sensationeller Ruf
voraus, wurde es doch vor kurzem mit gleich zwei Golden Globes – an
Hauptdarstellerin Jessie Buckley und Regisseurin Chloé Zhao –
ausgezeichnet und gilt mit insgesamt acht Nominierungen nun als
heißer Oscar-Favorit.

Dokumentation „Die rätselhafte Welt des David Lynch“ (23.15 Uhr)

David Lynch war mehr als nur ein genialer Filmemacher: er war ein
Künstler mit jeder Faser seines Seins. Sein Name steht synonym für
den Begriff Visionär und schaffte es sogar ins Wörterbuch: Das Oxford
English Dictionary führt den Terminus „Lynchian“ als Bezeichnung für
etwas, dessen Wesenheit nicht seiner offensichtlichen Anmutung
entspricht. Der US-Amerikaner galt als einer der Besten seines Fachs
und war mit seinem Oeuvre stets dem Abgründigen – und Abartigen –
hinter behaupteter Normalität auf der Spur. Mit Filmen wie „Blue
Velvet“, „Mulholland Drive“ oder der Kultserie „Twin Peaks“ schrieb
er Filmgeschichte und wurde dafür mit etlichen Auszeichnungen,
darunter einem Ehren-Oscar, belohnt. In der Doku „Die rätselhafte
Welt des David Lynch“ spürt Regisseur Stéphane Ghez dem Genie Lynch
nach, der auch selbst zu Wort kommt, ebenso wie langjährige
Weggefährtinnen und Weggefährten sowie Freunde, etwa die
Schauspieler:innen Laura Dern, Kyle MacLachlan und Isabella
Rossellini.
David Lynchs ersten Schritt in Richtung des Mediums Film könnte man
als Offenbarung beschreiben. Damals noch bildender Künstler,
arbeitete er an einem nächtlichen Gartenbild. Mit einem Mal nahm er
wahr, wie sich das Grün im Gemälde bewegte. So kam er auf die Idee,
Bewegungen auf Leinwand zu bannen – und schuf erste experimentelle
Animationsfilme. Noch während seiner Ausbildungszeit zum
Filmregisseur am American Film Institute begann er, sein
revolutionäres Werk „Eraserhead“ zu realisieren, indem er sich mit
Gewalt und Randständigkeit in der Großstadt auseinandersetzte. Gerade
einmal 3.000 US-Dollar betrug das Budget für das Projekt, doch das
Echo darauf war gewaltig: Mel Brooks betraute Lynch mit der Regie zu
„Elephant Man“. Von Film zu Film wurde der Regisseur kompromissloser
und surrealer, mutete dem Publikum nie dagewesene Perspektiven zu und
brach mit konventionellen Sehgewohnheiten. So errang er bald
Kultstatus, polarisierte aber auch zusehends. Sein Film „Wild At
Heart“ wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, von
einem Teil des Publikums aber auch ausgebuht. David Lynchs womöglich
nachhaltigster Coup war die Revolutionierung des Fernsehens. Mit
„Twin Peaks“ bewies er, dass man durchaus auch auf dem kleinen Schirm
eine Bildsprache verwenden kann, die bis dahin dem Kino vorbehalten
zu sein schien.