Wien (OTS) – Studierende stehen unter massivem Druck. Ein Studium,
das zunehmend
von Leistungsdruck, selektiven Strukturen und permanenter
Existenzangst geprägt ist, lässt kaum Raum für Erholung oder
Stabilität. Besonders betroffen sind jene, die neben dem Studium
unbezahlte Care-Arbeit leisten, Angehörige betreuen oder Sorgearbeit
im Alltag tragen. Hohe Wohnkosten, steigende Lebenshaltungskosten und
die Notwendigkeit, neben dem Studium zu arbeiten, verschärfen diese
Mehrfachbelastungen zusätzlich. Mentale Gesundheit wird so zunehmend
zur Frage des Geldbörserl und der sozialen Lage. Selina Wienerroither
aus dem ÖH-Vorsitzteam hält fest: “Dass sich mehr als die Hälfte der
Studierenden psychisch belastet fühlen, ist kein isoliertes Problem.
Die psychische Belastung von Studierenden ist das Ergebnis eines
Hochschulsystems, das zunehmend auf Leistungsdruck, Konkurrenz und
ökonomische Verwertungslogik setzt und dabei unbezahlte Care-Arbeit
sowie andere soziale Verpflichtungen der Studierenden kaum
berücksichtigt.”
Besonders alarmierend ist, dass zwar ein überwältigender Großteil
der Studierenden angibt, Unterstützung zu brauchen, der Zugang zu
professioneller Hilfe aber für viele faktisch versperrt bleibt. Lange
Wartezeiten, hohe Kosten und unzureichende Angebote an den
Hochschulen führen dazu, dass Hilfe oft zu spät oder gar nicht in
Anspruch genommen wird. Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitzteam
betont: „Psychische Gesundheit darf nicht zur Privatsache gemacht
werden. Während das Gesundheitssystem zunehmend privatisiert wird,
merken besonders Studierende die finanzielle Belastung, die mit den
Kosten für Therapie einhergehen sind. Psychosoziale Beratung und
Unterstützung muss flächendeckend, kostenlos und ohne Zugangshürden
an allen Hochschulen verfügbar sein.“
Die ÖH kritisiert, dass politische Verantwortung seit Jahren auf
Einzelne abgeschoben wird, während strukturelle Ursachen unangetastet
bleiben. Ein Studium, das krank macht, ist kein Kollateralschaden,
sondern Ausdruck eines Systems, das Leistung über Gesundheit und
soziale Sicherheit stellt. Umut Ovat aus dem ÖH-Vorsitzteam ergänzt:
“Wer mentale Gesundheit ernst nimmt, muss die Studienbedingungen
verbessern – weniger Leistungsdruck, mehr Mitbestimmung und soziale
Absicherung helfen Studierenden mehr als der Druck, sich ständig
selbst verbessern zu müssen.”
ÖH schafft Abhilfe
Gleichzeitig schafft die ÖH konkrete Unterstützung: Mit der ÖH-
Helpline wurde ein österreichweites psychosoziales Versorgungsnetz
für Studierende aufgebaut, das rasch, leistbar und niederschwellig
Hilfe bietet. Bereits über 3.000 Studierende haben dieses Angebot in
Anspruch genommen – ein Zeichen für den bestehenden Bedarf.
Die ÖH fordert daher einen grundlegenden Kurswechsel: eine
bundesweit ausfinanzierte psychosoziale Infrastruktur an Hochschulen,
reale Entlastung im Studienalltag, den Abbau selektiver Hürden und
eine soziale Absicherung, die es Studierenden ermöglicht, ohne
permanente Überforderung zu studieren. Mentale Gesundheit ist keine
individuelle Aufgabe, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit
und politischer Verantwortung.