Wien (OTS) – Winter auf der Erde – das bedeutet für die einen Kälte
und schwierige
Bedingungen, genügend Nahrung zu finden. Die Pflanzen- und Tierwelt
auf der Südhalbkugel hingegen schwelgt währenddessen in Wärme und
Überfluss. Dass es Jahreszeiten gibt, ist einer Einzigartigkeit des
Planeten geschuldet – dem Neigungswinkel der Erdachse, der die Bahn
um die Sonne beeinflusst und alles Leben auf dieser Welt erst
ermöglicht. Die „Universum“-Dokumentation „Ein Jahr auf unserer Erde
– Winter“ von Andrew Moorwood (ORF-Bearbeitung: Wolfgang Stickler) –
eine Koproduktion von Plimsoll Productions im Auftrag von ITV in
Zusammenarbeit mit ARD und ORF – begleitet am Dienstag, dem 13.
Jänner 2026, um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON unterschiedlichste
Tierfamilien rund um den Erdball und schildert, wie die Jahreszeiten
ihrem Leben immer wieder eine Wende geben. Während Eisbär, Rotfuchs
oder Eichhörnchen einiges an Fertigkeiten mitbringen müssen, um den
langen, tief verschneiten Winter auf der Nordhalbkugel zu überdauern,
genießen Königspinguine im Süden die reichhaltige Fisch-Bar, und im
warmen südafrikanischen Botswana ergießen sich sintflutartige
Regenschauer über Elefantenherden.
Die Erde ist bislang der einzige bekannte Planet, der
unterschiedlichste Formen von Leben beherbergen kann. Geschuldet ist
dies der schrägen Neigung der Erdrotationsachse. Sie ermöglicht auf
ihrem zwölf Monate dauernden Weg um den energiespendenden Fixstern
Sonne die Jahreszeiten. Dass Nord- wie Südhalbkugel gleichermaßen von
ihnen betroffen sind und im Jahresverlauf ähnliche Bedingungen
aufweisen, hat die vielfältigen Existenzen an allen Ecken und Enden
der Welt überhaupt erst möglich gemacht. Winter bedeutet für die
nördliche und südliche Hemisphäre völlig unterschiedliche
Lebensabschnitte: Auf dem Archipel Spitzbergen etwa, der nördlich des
Polarkreises liegt, herrschen neben Kälte, Wind und Schnee mehr als
dreieinhalb Monate Finsternis. Während der Polarnacht lässt sich die
Sonne nicht blicken. Ein Eisbärenweibchen und ihr Junges müssen hier
weite Strecken zurücklegen, um satt zu werden. Es gelingt mit etwas
Glück, auf dem Packeis eine dösende Ringelrobbe zu erhaschen oder zur
Not mit einem eisgekühlten Rentier-Kadaver Vorlieb zu nehmen. Treffen
Sonnenwinde auf das Erdmagnetfeld, kommt es zum Phänomen der
Polarlichter.
Eben dieses Erdmagnetfeld scheint sich der Rotfuchs bei der Jagd
zunutze zu machen. Im tief verschneiten Montana (USA) ist jede
zusätzliche Hilfe mehr als willkommen, um Nagetiere zu erbeuten. Die
Wissenschaft nimmt an, dass der Fuchs eine Art sechsten Sinn besitzt.
Er richtet sich leicht nach Nordosten aus, wie eine magnetische
Kompassnadel, wartet auf ein Geräusch der Beute, um mithilfe seines
ausgezeichneten Gehörs die Richtung zu bestimmen, und nutzt den
Magnetsinn für die exakte Entfernung. Dann folgt ein Sprung in den
Tiefschnee – und meist hat er einen Nager in seinem Bau punktgenau
erwischt. Spezielle Fähigkeiten bei der Nahrungssuche sind auch von
den Eichhörnchen in Südnorwegen gefragt. Noch im Herbst hat jedes
Tier an die 3.000 Nüsse versteckt. Nun gilt es, sie in der völlig
veränderten Schneelandschaft wiederzufinden. Dafür wächst ihr
Hippocampus, jener Teil des Gehirns, der u. a. für Lernen und
Orientierung zuständig ist, um 15 Prozent. Eichhörnchen erinnern sich
deshalb an viele Orte.
Auf der warmen Südhalbkugel dreht sich zur selben Zeit alles um
den Nachwuchs. Auf der Marion-Insel, etwa 1.700 Kilometer südlich von
Afrika gelegen, wechseln sich in den warmen Wintermonaten etwa 14-
tägig Königspinguin-Paare ab, um ihr Ei zu bebrüten. Nach zwei Wochen
ausgiebiger Fischjagd kehrt die Hälfte der Pinguine an Land zurück.
Sie orten den Partner unter Hunderttausenden Königspinguinen mithilfe
einer besonderen Fähigkeit: Sie können den speziellen Ruf aus dem
Getöse filtern und finden einander punktgenau. Weiter nördlich, im
südafrikanischen Botswana, treffen die Sonnenstrahlen deutlich
senkrechter auf die Erde. In der Hitze bilden sich Wolken, die für
sintflutartige Regengüsse sorgen und das Land für wenige Wochen in
üppiges Grün hüllen. Ein Paradies für einen jungen Elefanten. Noch
ahnt er nicht, was der Wechsel in den Frühling bedeuten wird: die
erste Dürre seines Lebens, stundenlange Märsche zu Wasserstellen und
hungrige Löwenrudel, die sich auf die Jagd nach Jungelefanten
spezialisiert haben.