Österreich steht an einem Wendepunkt: Die Bundesregierung hat die neue „Industriestrategie Österreich 2035“ vorgestellt, die auf erneuerbare Energien als tragende Säule setzt. Doch wird diese Strategie wirklich den erhofften Erfolg bringen? Wir haben die Details!

Ein Blick auf die neue Industriestrategie

Am 16. Januar 2026 präsentierte die österreichische Bundesregierung im Rahmen einer Pressekonferenz die lang erwartete „Industriestrategie Österreich 2035“. Diese Strategie zielt darauf ab, den Industriestandort Österreich zu sichern und weiterzuentwickeln. Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) begrüßt das Vorhaben grundsätzlich, doch ob es tatsächlich ein Erfolg wird, hängt von klaren energiepolitischen Prioritäten und deren konsequenter Umsetzung ab.

Erneuerbare Energien als Schlüsseltechnologie

Ein zentrales Element der Strategie ist die Definition von „Energie- und Umwelttechnologien“ als eine von neun Schlüsseltechnologien. „Diese Einordnung ist richtig und wichtig“, betont Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ. Erneuerbare Energien aus Wind, Sonne, Wasser und Biogenen sind weit mehr als ein Klimaschutzinstrument: Sie bilden das Fundament für einen zukunftsfähigen Industriestandort.

Diese Technologien sichern langfristig leistbare Energiepreise und schaffen Wertschöpfung, Aufträge und Arbeitsplätze entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette – vom Anlagenbau über Zulieferbetriebe bis hin zu Bau- und Dienstleistungsunternehmen.

Die historische Entwicklung der erneuerbaren Energien

Der Fokus auf erneuerbare Energien ist nicht neu. Bereits in den 1990er Jahren begann Österreich, sich verstärkt auf alternative Energiequellen zu konzentrieren. Der Kyoto-Protokoll von 1997, ein internationaler Vertrag zur Reduktion von Treibhausgasen, war ein entscheidender Auslöser für diese Entwicklung. Seitdem hat das Land kontinuierlich in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.

Herausforderungen und Kritikpunkte

Der EEÖ begrüßt das angekündigte Ziel der Bundesregierung, die Gesetze zur Verfahrensbeschleunigung – insbesondere die UVP-Novelle sowie das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) – bis Ende Februar 2026 zu finalisieren. Die gesamte Erneuerbaren-Branche wartet seit Jahren auf wirksame Erleichterungen bei den Genehmigungsverfahren.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Der EEÖ sieht den angekündigten Industriestrompreis, der über zusätzliche Beiträge der Energiewirtschaft finanziert werden soll, kritisch. „Ständige Eingriffe in den Strommarkt entziehen Mittel, verzerren Investitionssignale und schaffen massive Planungsunsicherheit“, warnt Prechtl-Grundnig.

Vergleich mit anderen Bundesländern

Ein Blick auf andere Bundesländer zeigt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien unterschiedlich schnell voranschreitet. Während Bundesländer wie Niederösterreich bereits einen großen Teil ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen decken, hinken andere Regionen wie das Burgenland noch hinterher. Die Gründe dafür sind vielfältig: von geografischen Gegebenheiten über unterschiedliche politische Prioritäten bis hin zu variierenden Investitionsbudgets.

Die Auswirkungen auf den Bürger

Für den normalen Bürger bedeutet die neue Industriestrategie potenziell niedrigere Energiepreise und eine stabilere Energieversorgung. Der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte zudem neue Arbeitsplätze schaffen, insbesondere in ländlichen Regionen, die von der Abwanderung bedroht sind.

Experten warnen jedoch vor kurzfristigen Preisschwankungen und Unsicherheiten, die durch die Umstellung auf erneuerbare Energien entstehen könnten. „Die Energiewende ist ein langfristiges Projekt, das Geduld und Investitionen erfordert“, erklärt Energieexperte Dr. Hans Müller.

Ein Blick in die Zukunft

Wie sieht die Zukunft der österreichischen Energiepolitik aus? Die Industriestrategie 2035 könnte ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und unabhängigeren Energieversorgung sein. Doch der Erfolg hängt von der konsequenten Umsetzung und Anpassung der politischen Rahmenbedingungen ab.

Ein weiterer entscheidender Faktor wird die internationale Zusammenarbeit sein. Österreich kann von den Erfahrungen anderer Länder lernen, die bereits erfolgreich auf erneuerbare Energien umgestellt haben. Zudem könnte die verstärkte Nutzung von Technologien wie Power Purchase Agreements (PPAs) und Direktleitungen eine Schlüsselrolle spielen.

Politische Zusammenhänge und Abhängigkeiten

Die österreichische Energiepolitik ist eng mit der europäischen Energiepolitik verknüpft. Entscheidungen auf EU-Ebene, wie die Festlegung von Emissionszielen und die Förderung erneuerbarer Energien, haben direkte Auswirkungen auf die nationale Politik. Österreich muss daher nicht nur nationale, sondern auch internationale Entwicklungen im Auge behalten.

Fazit: Ein mutiger Schritt in die Zukunft?

Die „Industriestrategie Österreich 2035“ hat das Potenzial, die österreichische Energiepolitik grundlegend zu verändern. Sie bietet die Chance, den Industriestandort Österreich nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Doch der Weg dorthin ist steinig und erfordert ein hohes Maß an politischem Willen, Investitionen und internationaler Zusammenarbeit.

Der EEÖ wird die Entwicklungen kritisch begleiten und darauf drängen, dass die erneuerbaren Energien tatsächlich zur tragenden Säule der österreichischen Industrie werden. „Eine Industriestrategie ohne klare Vision für Erneuerbare ist keine Strategie, sondern ein Rückschritt“, fasst Prechtl-Grundnig zusammen.

Quelle: Erneuerbare Energie Österreich