Österreich steht an einem entscheidenden Punkt seiner wirtschaftlichen Zukunft. Am 16. Januar 2026 präsentierte das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus die lang erwartete Industriestrategie Österreich 2035, die das Land in die TOP-10 der OECD-Länder bei der Industrieproduktion katapultieren soll. Doch was steckt wirklich hinter diesem ambitionierten Plan?
Der Druck auf die Industrie wächst
Österreichs Industrie, das Rückgrat des nationalen Wohlstands und der Arbeitsplatzsicherheit, sieht sich einem immer stärkeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer betont: „Unsere Industrie ist das Rückgrat von Wohlstand und Arbeitsplätzen, steht aber unter massivem Wettbewerbsdruck.“ Mit der neuen Strategie will die Regierung die Deindustrialisierung stoppen und eine Neu-Industrialisierung starten.
Was bedeutet Deindustrialisierung?
Deindustrialisierung bezieht sich auf den Rückgang der industriellen Kapazitäten eines Landes, oft begleitet von einem Verlust an Arbeitsplätzen in der Fertigung. Dies kann durch verschiedene Faktoren wie Outsourcing, Automatisierung oder wirtschaftliche Umstrukturierungen verursacht werden.
114 Maßnahmen für den Aufschwung
Mit 114 konkreten Maßnahmen will die Regierung Innovation, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit stärken. „Wir setzen erstmals eine klare Richtung und wollen langfristigen Aufschwung“, so Hattmannsdorfer. Diese Maßnahmen sind auf sieben Handlungsfelder verteilt, darunter Forschung, Technologie & Innovation, Energie und Bildung.
- Forschung, Technologie & Innovation
- Energie
- Bildung, Fachkräfte & Arbeitsmarkt
- Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie & Transformation
- Infrastruktur, Mobilität & wirtschaftliche Resilienz
- Europa & geopolitische Herausforderungen
- Entbürokratisierung & Finanzierung
Entbürokratisierung als Schlüssel
„Weniger Bürokratie heißt mehr Zeit für Wertschöpfung“, erklärt Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn. Die Strategie zielt darauf ab, bürokratische Hürden abzubauen und Verfahren zu vereinfachen, um Investitionen zu beschleunigen.
Sechs messbare Ziele für 2035
Die Strategie definiert sechs messbare Ziele, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken. Österreich soll bis 2035 in die TOP-10 der OECD-Länder bei der Industrieproduktion gelangen.
- Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit
- Weiterentwicklung wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit in und mit Europa
- Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Innovationskraft
- Ausbau wirtschaftlicher Resilienz
- Stärkung nachhaltiger und zirkulärer Produktion
- Entwicklung des Fachkräftepotenzials
Was bedeutet Resilienz in der Wirtschaft?
Resilienz bezieht sich auf die Fähigkeit eines Wirtschaftssystems, Schocks und Herausforderungen zu widerstehen und sich schnell von ihnen zu erholen. Dies umfasst sowohl wirtschaftliche als auch soziale Aspekte.
Neun Schlüsseltechnologien im Fokus
Erstmals werden neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder definiert, um gezielte Investitionen zu fördern. Ein Förderbudget von rund 2,6 Milliarden Euro steht bereit, um diese Technologien zu entwickeln und zu unterstützen.
Warum sind Schlüsseltechnologien wichtig?
Schlüsseltechnologien sind technologische Bereiche mit hohem Wachstumspotenzial, die entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft eines Landes sind. Sie können neue Märkte erschließen und bestehende Industrien transformieren.
Monitoring und Evaluierung
Das Monitoring der Industriestrategie erfolgt entlang der sechs strategischen Ziele auf Basis ausgewählter Leistungskennzahlen. Ein fortlaufender Review-Prozess soll sicherstellen, dass die Strategie effektiv umgesetzt wird.
Die Rolle des Produktivitätsrats
Der Produktivitätsrat wird seinen jährlichen Produktivitätsbericht um ein Wettbewerbsfähigkeitsradar erweitern. Diese Maßnahme soll die Fortschritte der Strategie messen und gegebenenfalls Empfehlungen zur Anpassung geben.
Ein breiter Stakeholder-Prozess
Die Strategie wurde in einem breiten, partizipativen Stakeholder-Prozess unter der Leitung der Plattform Industrie 4.0 erarbeitet. Sozialpartner, Agenturen und zahlreiche Fachexperten waren aktiv eingebunden, um ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen Landschaft zu zeichnen.
Was sind Sozialpartner?
Sozialpartner sind Organisationen, die die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vertreten, wie die Wirtschaftskammer Österreich und der Österreichische Gewerkschaftsbund. Sie spielen eine wichtige Rolle in der österreichischen Wirtschaftspolitik.
Ein Blick in die Zukunft
Die Industriestrategie Österreich 2035 verspricht, das Land zu einer globalen Macht in der Industrieproduktion zu machen. Doch wie realistisch sind diese Ziele? Experten sind optimistisch, aber mahnen zur Vorsicht. „Die Strategie ist ein wichtiger Schritt, aber die Umsetzung wird entscheidend sein“, warnt ein Wirtschaftsexperte.
Österreich hat die Chance, sich als Vorreiter in der Industrieinnovation zu positionieren. Mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und Innovation könnte das Land eine führende Rolle in der globalen Wirtschaft spielen. Doch der Weg dorthin erfordert sorgfältige Planung, Zusammenarbeit und den Willen zur Veränderung.