Die Elektro- und Elektronikindustrie Österreichs steht vor einem historischen Wendepunkt. Mit der am 16. Januar 2026 vorgestellten Industriestrategie 2035 sendet die Bundesregierung ein starkes Signal: Jetzt ist die Zeit für Veränderung und Innovation gekommen. Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) begrüßt diesen Schritt und sieht darin die Erfüllung vieler langjähriger Forderungen. Doch was steckt wirklich hinter dieser Strategie, und wie wird sie das Leben der Österreicher beeinflussen?
Die Strategie im Detail: Was bedeutet das für Österreich?
Die neue Industriestrategie zielt darauf ab, Österreichs Industrie auf ein neues Level zu heben. Im Zentrum stehen Maßnahmen wie die Senkung der Energiekosten, Investitionsanreize und die Förderung europäischer Produkte. Diese Schritte sind entscheidend, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Deindustrialisierungstendenzen entgegenzuwirken.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Senkung des Industriestrompreises auf bis zu 5 Cent pro kWh ab 2027. Diese Maßnahme wird nicht nur die Kosten für Unternehmen senken, sondern auch für Planungssicherheit sorgen. Stabilität in den Energiekosten ist ein entscheidender Faktor für Investitionen und die Sicherung von Arbeitsplätzen.
Schlüsseltechnologien: Das Fundament der Zukunft
Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik und Mikroelektronik stehen im Fokus der Strategie. Diese Technologien sind nicht nur für Innovationen entscheidend, sondern auch für die technologische Souveränität Österreichs und Europas. Österreich hat hier eine starke Ausgangsposition mit leistungsfähigen Unternehmen und exzellenter Forschung. Die von der Regierung angekündigte Schlüsseltechnologieoffensive wird diesen Bereich weiter stärken.
Die FEEI fordert zudem eine Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsquote (F&E) auf über 4 % bis 2030. Dies ist ein ambitioniertes Ziel, das jedoch notwendig ist, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Europaweit verfügbare Forschungsmittel sollen besser ausgeschöpft werden, um Innovationen zu fördern und die Wertschöpfungskette zu stärken.
Europe First: Eine neue Leitlinie
Eine der zentralen Leitlinien der neuen Strategie ist das „Europe First“-Prinzip. Dieses besagt, dass europäische Technologien in Förder- und Vergabeverfahren bevorzugt werden sollen. Dadurch sollen Abhängigkeiten reduziert und Wertschöpfungsketten in Europa gestärkt werden. Besonders in Branchen wie der Mikroelektronik, der Bahnindustrie und den Umwelttechnologien, in denen Österreich bereits stark positioniert ist, wird diese Ausrichtung als notwendig erachtet.
FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun betont: „Nur durch eine konsequente ‚Europe First‘-Ausrichtung können wir faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und industrielle Zukunftskompetenzen im eigenen Wirtschaftsraum halten.“
Fachkräftemangel: Eine Herausforderung und Chance
Ein weiteres zentrales Thema der Strategie ist der strukturelle Fachkräftemangel. Die Industrie braucht gut ausgebildete Fachkräfte, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Strategie sieht daher neue Lehrberufe in Schlüsseltechnologie-Bereichen und modernisierte HTL-Lehrpläne vor. Auch die Rot-Weiß-Rot-Karte soll verbessert werden, um den steigenden Personalbedarf der High-Tech-Industrie zu decken.
Die Initiative #JoinTheFuture (zukunftserfinderinnen.at) ist ein Beispiel dafür, wie die Branche bereits aktiv Nachwuchskräfte gewinnt. FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch erklärt: „Wir wecken nicht nur Neugierde und Spaß an Technik, sondern zeigen auch, dass Arbeitskräfte in der Elektro- und Elektronikindustrie zur Sicherstellung kritischer Infrastruktur beitragen.“
Die wirtschaftlichen Auswirkungen: Was bedeutet das für die Bürger?
Die Auswirkungen dieser Strategie sind weitreichend. Für die Bürger bedeutet eine starke Industrie nicht nur mehr Arbeitsplätze und höhere Löhne, sondern auch eine stabilere Wirtschaft. Die Senkung der Energiekosten könnte langfristig auch zu niedrigeren Strompreisen für Haushalte führen.
Darüber hinaus fördert die Strategie Innovationen, die das tägliche Leben verbessern können, sei es durch neue Technologien im Mobilitätssektor oder durch verbesserte Umwelttechnologien. Die technologische Souveränität Europas wird gestärkt, was in Zeiten globaler Unsicherheiten von unschätzbarem Wert ist.
Ein Blick in die Vergangenheit: Was können wir lernen?
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass ähnliche Strategien in anderen Ländern erfolgreich waren. In Deutschland beispielsweise hat die Energiewende zu einem Boom in der erneuerbaren Energiebranche geführt. Auch die Förderung der Elektromobilität hat dort zu einer starken Automobilindustrie beigetragen.
Österreich kann von diesen Beispielen lernen und seine Strategie entsprechend anpassen. Die Fokussierung auf Schlüsseltechnologien und die europäische Zusammenarbeit sind entscheidende Faktoren für den Erfolg.
Die nächsten Schritte: Was kommt als Nächstes?
Die Umsetzung der Strategie ist der nächste große Schritt. Der FEEI fordert entschlossenes Handeln und eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierung, Industrie und Bildungseinrichtungen. Nur so können die Ziele der Strategie erreicht werden.
Ein schneller Start der Schlüsseltechnologieprogramme, ein verlässlicher Industriestrompreis und eine effiziente Genehmigungspolitik sind entscheidend. Die Orientierung an europäischer Wertschöpfung und die Priorisierung von Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit müssen im Fokus stehen.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Österreichs Industriestrategie 2035 die erhofften Erfolge bringt. Doch die Voraussetzungen sind geschaffen, und die Chancen stehen gut, dass Österreich als Gewinner aus dieser Transformation hervorgeht.
Quelle: FEEI – Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie