Die Nachricht könnte nicht alarmierender sein: Laut einer neuen Studie der Volkshilfe Österreich erhalten Frauen in Österreich im Durchschnitt 39,7 Prozent weniger Pension als ihre männlichen Kollegen. Diese erschreckende Zahl wirft ein grelles Licht auf die anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, die auch im Jahr 2025 noch nicht überwunden ist.
Ein ungleicher Start ins Rentenalter
Die Zahlen sind eindeutig: Frauen in Österreich müssen mit durchschnittlich 1.527 Euro brutto pro Monat auskommen, während Männer bereits im Laufe des Jahres dieselbe Summe erhalten haben. Diese Kluft ist nicht nur ein statistisches Phänomen, sondern hat reale und gravierende Auswirkungen auf das Leben vieler Frauen. Sie bedeutet weniger finanzielle Sicherheit im Alter, erhöhte Armutsgefahr und ein erheblicher Verlust an Lebensqualität.
Die ungeschönte Wahrheit hinter den Zahlen
Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Lage noch dramatischer ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denn selbst die Beamtinnen-Pensionen, die den Durchschnitt anheben, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Frauen in Österreich unter der Armutsgefährdungsschwelle leben. Laut der Sozialforscherin Hanna Lichtenberger von der Volkshilfe Österreich liegt der Median, also der Punkt, an dem die Hälfte der Pensionistinnen mehr und die andere Hälfte weniger bekommt, unter dieser kritischen Schwelle.
Im EU-Vergleich schneidet Österreich besonders schlecht ab: Mit einer Pensionslücke von 35,6 Prozent bei den über 65-Jährigen liegt das Land auf dem dritten Platz – allerdings von unten. Diese Zahlen stammen von Eurostat und verdeutlichen, wie weit Österreich hinter anderen Ländern zurückliegt, wenn es um die Gleichstellung der Geschlechter im Rentenalter geht.
Ursachen und Auswirkungen der Altersarmut
Die Ursachen für dieses Missverhältnis sind vielschichtig. Einer der Hauptgründe ist die Lohndiskriminierung, die sich im Laufe eines Arbeitslebens summiert und in einer deutlich geringeren Pension resultiert. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Das konservative Wohlfahrtsregime Österreichs spielt eine entscheidende Rolle, da es soziale Sicherheit an die Anzahl der geleisteten Erwerbsjahre knüpft. Frauen, die oft unbezahlte Care-Arbeit leisten oder aus gesundheitlichen Gründen nicht durchgängig erwerbstätig sein können, sind hier klar im Nachteil.
„Altersarmut ist für die Betroffenen mit einer Reihe von Herausforderungen verbunden“, erklärt Lichtenberger weiter. „Diese reichen von finanziellen Engpässen bis hin zu negativen gesundheitlichen Effekten, die die Lebensqualität drastisch mindern.“
Ein Blick auf andere Länder
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zeigt sich, dass Österreich in Sachen Pensionsgerechtigkeit noch viel Nachholbedarf hat. In skandinavischen Ländern wie Schweden oder Norwegen ist die Pensionslücke deutlich geringer. Dies liegt vor allem an einem anderen Verständnis von sozialer Sicherheit und der Rolle des Staates bei der Unterstützung von Familien und der Gleichstellung der Geschlechter.
In Deutschland beispielsweise beträgt die Pensionslücke laut dem Statistischen Bundesamt etwa 26 Prozent, was zwar ebenfalls hoch ist, aber doch deutlich unter dem österreichischen Niveau liegt. Diese Unterschiede zeigen, dass strukturelle Veränderungen notwendig sind, um die Situation zu verbessern.
Ein Appell für moderne Familienpolitik
Um die Pensionslücke zu schließen und Altersarmut, insbesondere bei Frauen, effektiv zu bekämpfen, fordert die Volkshilfe Österreich einen familiengerechten Sozialstaat. Dieser sollte Care-Arbeit gerecht verteilen und Familien konsequent entlasten. „Nur wenn Erwerbs- und Sorgearbeit gerecht zwischen den Partnern aufgeteilt wird, können langfristig die Pensionslücken geschlossen werden“, betont Ewald Sacher, Präsident der Volkshilfe Österreich.
Er schlägt eine verpflichtende Väterkarenz sowie den Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung vor. Eine generelle Arbeitszeitverkürzung könnte zudem ein zentraler Hebel sein, die nicht nur gesundheitsfördernd, sondern auch geschlechtergerecht und familienfreundlich ist.
Der Weg in die Zukunft
Die Diskussion über die Pensionslücke ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Eine gerechtere Verteilung der Pensionen würde nicht nur die Lebensqualität vieler Frauen verbessern, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität des Landes fördern. Experten sind sich einig: Ohne tiefgreifende Reformen wird die Pensionslücke nicht geschlossen werden können.
„Es ist an der Zeit, die strukturellen Barrieren abzubauen, die Frauen daran hindern, im Alter ein würdiges Leben zu führen“, so Sacher. „Nur durch eine entschlossene Politik, die sich für Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit einsetzt, können wir diesen Teufelskreis durchbrechen.“
Ein Appell an die Politik
Die Volkshilfe Österreich richtet sich mit einem eindringlichen Appell an die politische Führung des Landes. „Wir brauchen dringend Maßnahmen, die die soziale Sicherheit für alle Bürgerinnen und Bürger gewährleisten“, so Lichtenberger. „Nur so können wir sicherstellen, dass niemand im Alter in Armut leben muss.“
Es bleibt zu hoffen, dass diese Forderungen Gehör finden und die notwendige politische Unterstützung erhalten, um die Pensionslücke ein für alle Mal zu schließen.